Der Tanz kann als Mittel zur Visualisierung von zeitlich bedingten dynamischen Formen im Raum verstanden werden. Die Immaterialität des Tanzes ist ein wesentlicher Unterschied zur Bildenden Kunst. Der Tanz kann nicht eingefangen werden, oder nur begrenzt. Das Drama liegt für mich im Moment der Kreation begründet, und zieht sich weiter, wenn ich mir dem unbewussten Drang bewusst werde, die erfahrene Form zu bannen und für andere erfassbar machen zu wollen. Hier bietet die Bildende Kunst Möglichkeiten, die Sprache des Tanzes zu übersetzen, zu ergänzen oder gar zu verändern (siehe „Muscle Memory“). Beim Tanz ist die zeitliche Distanz zwischen Sender und Empfänger sehr gering, wodurch sich der Ausdruck des Tänzers direkt in Eindrücke für den Betrachter umwandeln. Hingegen wird in der Bildenden Kunst häufig etwas physisch Langlebigeres geschaffen, welches sich erst nach dem Schaffensprozess dem Betrachter offenbart.

Timo Paris
2018 / The Drama Of Perishability / Photoprint / Size variable