
Cypher, 2024
Skulpturale Installation
Linedenholz, Stahl
184 x 184 x 9 cm
„Cypher“ ist ein skulpturales Werk, das sich mit dem zyklischen Charakter von Bewegung, Zeit, und Raum auseinandersetzt. In der Dimension ist es analog zur Körpergrösse des Künstlers (184 x 184 cm) minus ein paar Fingerbreiten, um sich festzuhalten. Es besteht aus zwölf geschnitzten Holzelementen, die sich zu einem Kreis zusammenfügen. Anhand der zwölf Unterteilungen betont «Cypher» das Zyklische und Fragmentarische der menschlichen Zeitwahrnehmung und suggeriert mit seiner Portal-ähnlichen Wirkung die Formbarkeit der subjektiven Wahrnehmung von Zeit.

Die Formensprache ist eine Erweiterung der Zeichnungsserie «Tales Of The Unseen» (2021-aktuell) in das Skulpturale. Die geometrischen Formen wurden direkt von den Zeichnungen übernommen, digital in die dritte Dimension übersetzt und dann von einer CNC Maschine in das Holz gefräst. Die konstruktivistischen Formen entspringen Paris’ persönlicher Empfindung von Volumen, Raum und Rhythmus, die als Leitfaden seiner Improvisationen im Tanz dienen.

3D-Scans von Paris’ Händen und Füßen sowie von Mitgliedern seiner Tanz Crew «Das Flavour» wurden digital verdreht, verzerrt und vergrössert und von Hand in das Holz geschnitzt. Die Verfremdungen, zwischen dem Figürlichen und der Abstraktion oszillierend, spiegeln das Erleben von Raum und Zeit wider und wie es in einem dynamischen Tanzzyklus empfunden wird, wo Momente gedehnt oder komprimiert erscheinen können. Der organische Ausdruck handwerklicher Fertigung kontrastiert mit der technologischen wPräzision. Der zeiteffiziente und zur Massenproduktion taugliche Einsatz der CNC Fräse wird ergänzt mit der zeitintensiven und körperlichen Erschaffung geschnitzter Originale. So untersucht Timo Paris die Beziehung zwischen moderner Technologie und (Kunst)Handwerk auf dessen künstlerisches Potential.

Der Universelle Charakter des Kreises als Ur-Symbolen verweist nicht nur inhaltlich sondern auch auf sensorischer Ebene auf die erlebende Natur des Mensch-Seins. Der Titel „Cypher“ entspringt dem gemeinschaftlichen Aspekt des Tanzstils Breaking – den gleichnamigen Tanzkreis, in dem Tänzer*innen ihre Bewegungen zur Schau stellen, sich gegenseitig herausfordern und gemeinsam neue Ausdrucksformen finden. Die kollektive Identität, die durch diese gemeinsame Bewegung entsteht, wird durch die Skulpturen spürbar. Das Werk selbst evoziert die endlose, zyklische und formengenerierende Natur des Tanzens im „Cypher“, in dem der Fluss der Bewegungen und die ständige Anpassung an die Dynamik der Gruppe zu einer Art körperlichem und energetischen Gespräch werden. Die Abbildung kollektiver Erfahrung von Bewegung im Tanzkreis thematisiert den Kreis als Urform kollektiven Wissens-und Erfahrungsaustausches, in dem das Potential des menschlichen Körpers als wissende Einheit kultiviert wird. Mit der Platzierung in die Beton-Ecke bezieht sich Timo Paris zurück auf das filmische Werk «SCRUPUS» (2023), wobei im Zusammenspiel von Kamera, Architektur, und Tanz die Regeln der Schwerkraft ausgehebelt werden und der betrachtenden Person ein perspektivisches Rätsel auferlegt werden. Konträr zur zentrierten Aufmerksamkeit bei «Foothand» wird hier der Mittelpunkt bewusst für den Blick auf eine dynamische Perspektive freigelassen.
Dabei sind alle Achsen des dreidimensionalen Raumes in reduzierter Form und rudimentärer Materialität erfassbar. Paris’ Interesse an der Beziehung vom Körper zum Werk besteht darin, diese als Rahmenbedingung zur Erschaffung von Momenten körperlichen Bewusstseins zu verstehen. Dies zeigt sich besonders in der Situierung des Werkes im Kunsthaus Baselland oberhalb der Treppe zum ersten Stock. Die Einfassung des Körpers durch einen Gang aus Beton, der zudem nach oben führt, generiert einen Tunnelblick, an dessen Ende ein portalähnliches Objekt den Blick zentriert. Die sogartige Wirkung wird mit jedem annähernden Schritt verstärkt, wobei die Desorientierung durch den Höhenunterschied verstärkt wird. Mit der Bewegung auf der Treppe entsteht ein für Ausstellungssituationen atypischer Perspektivenwechsel, da die Vertikale miteinbezogen wird. Der Gang entlang des emporsteigenden Tunnels erfordert körperliche Präsenz zur räumlichen Verortung und wird so zu einem meditativen Moment der bewussten, sinnlichen Wahrnehmung.










