Fusshand, 2024
Skulpturale Installation Bronze, Latex, Stahl, Leder, Holz
40 x 180 x 230cm

Timo Paris’ schöpft aus seiner Erfahrung als Tänzer im Umgang mit Statik zur Konstruktion illusionistischer Momente von Überwindung der Schwerkraft. Der über 20kg schwere, massive Bronzeguss zieht das Latex zum Boden und generiert dabei sich ringförmig ausbreitende Falten. Im Moment, in dem diese Falten auf den Boden treffen, geht ihre Form in den halbkreisförmigen Stahlbogen über. Dieser wiederum leitet das Hauptgewicht auf den Boden und suggeriert visuell einen Balanceakt. Das Gewicht der zentralen Figur zieht die oberen Enden des Stahlbogens bis zu dem Moment zusammen, in dem die Lederriemen es verhindern.

«Foothand» ist eine grossformatige Skulptur an der Schnittstelle zwischen Objektkunst, Monochromer Malerei und Installation. Das Werk erkundet die sonst im Tanz angewandten Prinzipien und übersetzt sie ins Material. Die zur Wirkung kommende Schwerkraft formuliert sich mittels gegenseitiger Kräfteeinwirkungen zu einem in sich balancierten, statisch expressiven Moment. Im Zentrum hängt ein massiver Bronzeabguss einer Hand, die direkt in einen Fuss übergeht. Durch die Wahl von Bronze als Material, das Schwere und Beständigkeit symbolisiert, wird die physische Präsenz dieser Extremitäten betont, während ihre skulpturale Anordnung eine Illusion der Leichtigkeit erzeugt. Die Körperteile, die normalerweise eine klare Funktion als Verankerung im Raum haben, werden in ihrer Form und Bedeutung erweitert und überhöht. Die Fusshand symbolisiert die Dualität von Körpererfahrung und visuellen Eindrücken, indem sie den Sprung und das Greifen auf ihre essenzielle Charakteristika kondensiert. Aus der Perspektive subjektiver, körperlicher Erfahrung liegt während des Springens und Greifens der Fokus einerseits auf der Hand, welche die Bewegung führt. Andererseits liegt der Fokus auf dem Fuss, aus der die Bewegung ihren Hauptantrieb gewinnt. Aus betrachtender Perspektive fassen die Gesten beider Körperteile die Bewegung und Ihre Intention zu einer visuellen Narration zusammen. In diese kondensierte Form deformiert, eröffnet die Fusshand neue Assoziationsräume und Traumwelten. Ist es ihr letzter, verzweifelter Versuch, sich an der Realität der Dinge festzuklammern? Oder gewährt Sie uns einen flüchtigen Blick in das Unterbewusstsein?

Jedes Element – vom Lederriemen bis hin zum Latextuch – wurde sorgfältig ausgewählt, um eine körperliche Reaktion hervorzurufen und eine intuitive Sinneserfahrung zu schaffen. Bei der Entwicklung der einzelnen Elemente wurde eine Synthese von Form und Material angestrebt, welche unserem kollektiven, haptischen Alltagserlebnis eingeschrieben ist. Dabei balancieren Materialität und Form die haptische Ausdruckskraft des Materials mit dem symbolischen Inhalt, der sich gleichermassen in ein Spektrum von Assoziationen auffächert. Die Verwendung von Leder und Latex erzeugt eine subtile Referenz zum menschlichen Körper, während Holz als traditionelles handwerkliches Material eine Verbindung zur natürlichen Welt herstellt. Der Bronzeguss wirkt massiv und schwer und steht im Gegensatz zu den geschmeidigen Lederbändern und den glatten Latexflächen, die Assoziationen mit Bekleidung, Bewegung und Schutz hervorrufen. Aus der Wand ragen Holzobjekte, die als eine Mischform von Tischbein, Handlauf und Bettpfosten gelesen werden und deren Berührung in der Erscheinung mitschwingt. Das Verbindungsstück zum Stahlrahmen ist aus Leder und kombiniert in seiner Form Hosengürtel, Traggurt und Sattel – Objekte die im Alltag in direktem Kontakt zum Körper sind und in Ihrer Funktion die Statik eine wesentliche Rolle spielt. Beim Umgehen des Werkes verändert sich die Wahrnehmung – von der Akzentuierung des zentrierten Gewichts und der zerrenden Kraft auf die Architektur über die Seitenansicht hin zur piktoralen Gesamterscheinung in der Frontalansicht. Wie das Werk «Cypher» generiert auch hier das Miteinbeziehen der Architektur in das Werk einen Moment körperlichen Bewusstseins. Die Holzelemente scheinen aus der Wand emporzusteigen und stellen so nicht nur visuell, sondern auch statisch einen Bezug zur gesamten Architektur her. Die Makroperspektive des Gebäudes wird durch das Werk kanalisiert und über die Fusshand auf die Dimension des menschlichen Körpers konzentriert. Dabei entsteht das Körpergefühl einer Art Vertigo, generiert durch eine räumliche Skalierung über das Werk hin zur Architektur und potenziell weiter in die Landschaft projiziert- ein skulpturaler Zoom sozusagen.











