PERFORMANCE AUF DEM NOVARTIS CAMPUS | ARCHITEKTUR DIALOGE

Diese ortsspezifische Performance auf dem Novartis Campus Basel erforscht das Zusammenspiel von Körper, Architektur und Wahrnehmung. Die Arbeit entstand im Rahmen der Architektur Dialoge Basel und reagiert direkt auf ikonische Kunstwerke und Gebäude des Campus, darunter Werke von Olafur Eliasson, Richard Serra und Eduardo Chillida.

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Durch verlangsamte Bewegungssequenzen, präzise Körperpositionen und fotografische Interventionen verschiebt Paris die Grenzen zwischen Performance, Skulptur und Raum. Die Manipulation von Gravitation und die Dehnung von Zeit erzeugen neue Wahrnehmungsmodi, in denen der Körper die Architektur gleichsam neu choreografiert.

Die Performance entwickelt eine „Kartografie der Wahrnehmung“ – eine subjektive topografische Lesart des Campus, in der Kunst, Körper und architektonische Formen zu gleichwertigen Akteuren werden. Damit positioniert sich Paris’ Arbeit im internationalen Diskurs zwischen Performance Art, zeitgenössischer Choreografie und Architektur.
Timo Paris’ Performance auf dem Novartis Campus ist Teil einer fortlaufenden Untersuchung zu den Wechselwirkungen zwischen Körper, Raum und Wahrnehmung, deren Ursprung in den beiden Videoarbeiten La Tête Dans Les Étoiles und SCRUPUS liegt. Die Arbeit entfaltet sich entlang eines choreografierten Parcours durch den Campus – im Spannungsfeld von Körper, Architektur und Kunst.

EINLEITUNG

Timo Paris’ Performance auf dem Novartis Campus ist Teil einer fortlaufenden Untersuchung zu den Wechselwirkungen zwischen Körper, Raum und Wahrnehmung, deren Ursprung in den beiden Videoarbeiten La Tête Dans Les Étoiles und SCRUPUS liegt. Die Arbeit entfaltet sich entlang eines choreografierten Parcours durch den Campus – im Spannungsfeld von Körper, Architektur und Kunst.

Die Performance aktiviert den Campus als experimentellen Resonanzraum, in dem Kunstwerke, architektonische Strukturen und Körper zu gleichwertigen Akteuren werden. In der präzisen Verschränkung von Bewegung und Ort entsteht eine subjektive Kartografie der Wahrnehmung – ein performativer Atlas, der die ikonischen Werke des Campus neu lesbar macht und die Grenzen zwischen Skulptur, Körper und Bild temporär aufhebt.
In dieser Arbeit sucht Paris nach Momenten, in denen Wahrnehmung kippt – wenn Architektur nicht mehr bloß Raum ist, sondern Körper, und wenn Bewegung nicht nur Geste, sondern Wahrnehmung selbst wird.

DER EINTRITT DURCH DAS BILD

Als Auftakt der Performance präsentierte Paris eine Auswahl von Fotografien. Die Aufnahmen zeigen den Künstler in Interaktion mit verschiedenen Orten des Campus – zwischen Skulptur, Architektur und landschaftlicher Gestaltung. In präzise komponierten Bildern untersucht Paris die Wirkungen von Gravitation, Perspektive und räumlicher Orientierung. Durch Drehungen der Kamera und ungewöhnliche Körperpositionen entsteht der Eindruck, die Schwerkraft habe ihre Richtung verloren; der Körper scheint sich in der Architektur aufzulösen oder gegen sie aufzubegehren.

Diese fotografische Serie versteht sich nicht als dokumentarische Ergänzung, sondern als eigenständige Wahrnehmungsforschung. Sie verwandelt den Campus in eine Bühne subjektiver Erfahrung, in der reale Strukturen in surreale Bildräume übergehen. Die Grenzen zwischen Bewegung, Stillstand und Bild werden dabei durchlässig. In der Überlagerung von Körper und Architektur, fotografischer Fläche und physischem Raum entsteht eine visuelle Sprache, die den Campus als Resonanzraum subjektiver Wahrnehmung erfahrbar macht.

Die Präsentation der Fotografien – eingefügt in die Glasarchitektur des von Eva Schlegel gestalteten Walkways – verstärkte diesen Effekt der Durchdringung. Bewegung, Licht, Reflexion und Transparenz verschmolzen zu einer dynamischen Wahrnehmungsschicht, die das Verhältnis von Körper und Raum nicht nur sichtbar, sondern körperlich spürbar werden ließ.

ZWISCHEN KÖRPER UND MASSE

Auf dem Forum, in direkter Nachbarschaft zu Ulrich Rückriems monumentaler Skulptur 7 Steine, verschränkte sich Paris’ Körper mit den massiven Volumen des Granits. In verlangsamten Bewegungen lehnte, stützte und hängte er sich an die Steine, bildete für Momente kurzlebige Skulpturen und erzeugte temporäre Bilder im Raum. Die Reduktion der Bewegungsgeschwindigkeit führte zu einer medienästhetischen Verschiebung – einer physischen Zeitdehnung, die das Sehen verlangsamte und die Wahrnehmung von Gewicht, Balance und Gravitation neu justierte.

“Mich interessiert, wie Architektur zu einem Resonanzraum für den Körper werden kann – wie physische Präsenz und Materialität sich gegenseitig aktivieren. In der Auseinandersetzung mit Rückriems Skulpturen oder Chillidas verschlungenen Stahlformen spüre ich die Grenzen zwischen Bewegung und Masse, zwischen Atmen und Struktur auf. Diese Reibungszonen sind für mich der eigentliche Ort des Tanzes.”

Im Verlauf des Rundgangs setzte Paris seine Interventionen an weiteren ikonischen Kunstwerken des Campus fort: in Eduardo Chillidas Estela de Gernika III, wo Vertikalität und Rotation ineinander übergehen, oder zwischen den Platten von Richard Serras Dirk’s Pod, wo das Verhältnis von Körper und Gewicht unmittelbar körperlich erfahrbar wird.brief moments a living sculpture. These gestures created temporary images in the surrounding space and opened associative fields.The reduction of movement speed induced a media shift — a physical stretching of time that slowed vision itself, recalibrating the perception of weight, balance, and gravity.As the tour progressed, Paris continued his interventions at other iconic artworks on the campus: in Eduardo Chillida’s Estela de Gernika III, where verticality and rotation merge, and within the plates of Richard Serra’s Dirk’s Pod, where the relationship between body and weight becomes physically immediate.

KREISE DER WAHRNEHMUNG

Den Schlusspunkt der Performance bildete eine längere Sequenz an der Oscillation Bench von Olafur Eliasson. Paris bewegte sich zunächst in Zeitlupe entlang der konzentrischen Linien der Bank, beschleunigte dann sukzessive, bis die Schwerkraft selbst zur choreografischen Kraft wurde – sie drückte den Körper in die schräg verlaufende Form, sodass Funktion und Skulptur, Material und Bewegung ineinander übergingen. Die Sequenz verdichtete das zentrale Motiv der Arbeit: die Manipulation der Schwerkraft als Metapher für die Verschiebung von Wahrnehmung.

Das Design der Bank basiert auf dem Moment, in dem ein Wassertropfen eine Wasseroberfläche berührt – ein poetischer Augenblick mit physikalischer wie metaphorischer Kraft. In Paris’ Interpretation wird dieser Moment zu einem imaginativen Zoom: Der Tropfen vergrößert sich ins Monumentale, die Zeit dehnt sich aus. Die Zeitlupe fungiert als zeitlicher Zoom, vergleichbar mit dem Vergrößern einer digitalen Timeline, in der die Zwischenräume plötzlich sichtbar werden. Bewegung wird zur Linse, durch die Wahrnehmung verlangsamt, gedehnt und intensiviert erscheint.

In dieser Perspektive wird die Architektur selbst zum Körper, der auf Schwerkraft, Rhythmus und Bewegung reagiert. Der Dialog zwischen Körper und Struktur entfaltet sich als Spiel von Positiv- und Negativform – der Mensch als plastisches Gegenstück zur Architektur, die Architektur als Abdruck körperlicher Bewegung.

Die ursprünglich funktionale Form der Bank – als Ort des Verweilens gedacht – verwandelt sich so in eine kinetische Struktur. Die Rotation des Körpers erweitert die statische Architektur um eine zeitliche Dimension, in der Wahrnehmung, Gewicht und Raum ineinander übergehen.