
SIGNATURES
Künstlerische Forschung zu Signature Moves, verkörpertem Wissen und der Übersetzung von Tanz in digitale und materielle Formen.
Künstlerisches Forschungsprojekt
2025–laufend
Basel
Status: Recherche und Entwicklung
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Einführung
SIGNATURES untersucht charakteristische Bewegungen, die im Breaking entwickelt werden, sowie die darin verkörperten Formen von Wissen, Autorschaft und Identität. Durch Gespräche mit Tänzer*innen, bewegungsbasierte Aufzeichnungen und künstlerische Experimente erforscht das Projekt, wie Bewegung über den ausführenden Körper hinaus in digitale und materielle Formen übersetzt werden kann und was in diesem Prozess erhalten bleibt, verändert wird oder verloren geht.
Forschungsfragen
Was macht eine Bewegung zur Signatur?
Wie wird eine Bewegung zu einer wiedererkennbaren, individuell entwickelten Form?
Wo liegt die Autorenschaft im Tanz?
Liegt Autorenschaft in einer einzelnen Bewegung, einer Bewegungsqualität, einer Sequenz oder im Verhältnis zwischen Körper, Erfahrung und Kontext?
Was bleibt, wenn Bewegung vom Körper getrennt wird?
Welche Eigenschaften bleiben erhalten, wenn Bewegung als Spur, Datenstruktur, Bild oder Objekt erscheint?
Wie lässt sich verkörpertes Wissen übersetzen, ohne es zu reduzieren?
Wie kann verkörpertes und kulturell situiertes Wissen in andere Medien übertragen werden, ohne es auf eine rein technische Form zu reduzieren?
Ausgangspunkt: Breaking und Signature Moves
Signature Moves, Style and Embodied Knowledge – Breaking as a Culture of Individual Form
Breaking ist eine kulturelle Praxis, in der Individualität durch Wiederholung, Austausch, Transformation und Reaktion entwickelt wird. Tänzer*innen lernen innerhalb eines gemeinsamen Bewegungsvokabulars, sind jedoch zugleich gefordert, dieses Material zu einer eigenständigen Bewegungssprache zu formen. Stil entsteht dabei nicht nur durch das, was ausgeführt wird, sondern auch durch die Art und Weise, wie Bewegung angegangen, verbunden, zeitlich gestaltet und verkörpert wird. In diesem Kontext kann sich eine Signatur als spezifische Bewegung, Pose, Sequenz, Übergang, Qualität oder wiederkehrende Logik zeigen. Sie kann unmittelbar erkennbar sein, aber auch subtiler in Erscheinung treten: als besonderer Rhythmus, als spezifischer Umgang mit Raum, als Beziehung zum Boden oder als charakteristische Weise, vertraute Elemente neu zu ordnen. Eine Signatur wird hier deshalb nicht als isolierte formale Erfindung verstanden, sondern als verkörperte Konfiguration, die durch Erfahrung, Erinnerung, Training, kulturelles Wissen und persönliche Interpretation geprägt ist. SIGNATURES nimmt diesen Prozess individueller Formbildung zum Ausgangspunkt. Das Projekt untersucht, wie sich bewegungsbasierte Autorschaft wahrnehmen, beschreiben, aufzeichnen und in andere Medien übersetzen lässt, ohne sie von den kulturellen und körperlichen Bedingungen zu trennen, aus denen sie hervorgegangen ist.
Forschungsfelder
A. Gespräche
Gespräche mit Breaker*innen über Wiedererkennbarkeit, Originalität, Erinnerung, Stil, Bewegungssprache und die Entstehung individueller Formen.
B. Bewegung und verkörpertes Wissen
Untersuchung von Bewegung als körperlichem, kulturellem und biografischem Wissen.
C. Erfassung und Übersetzung
Experimente mit digitalen Verfahren, durch die Bewegung beobachtet, aufgezeichnet und in andere mediale Zustände überführt werden kann.
D. Materielle und künstlerische Experimente
Untersuchung der Frage, wie Bewegung als Bild, Volumen, räumliche Spur oder materielles Objekt erscheinen kann.
Aktueller Forschungsstand
July 2026
SIGNATURES befindet sich derzeit in einer frühen Recherche- und Entwicklungsphase. Im Zentrum steht zunächst die Frage, wie Breaker*innen ihre eigenen Signature Moves verstehen: Wodurch wird eine Bewegung wiedererkennbar? Wo zeigt sich individuelle Autorenschaft? Und lässt sich eine Signature überhaupt auf eine einzelne Bewegung reduzieren? In ersten Gesprächen mit Tänzer*innen hat sich gezeigt, dass sich eine Signature unterschiedlich manifestieren kann – als spezifische Bewegung, Pose oder Sequenz, aber auch als Bewegungsqualität, Haltung oder wiederkehrende stilistische Logik. Die vorläufigen Begriffe Signature Move, Signature Pose und Signature Style dienen dabei nicht als feste Kategorien, sondern als Werkzeuge, um unterschiedliche Perspektiven miteinander zu vergleichen. Parallel dazu wurden erste Verfahren zur digitalen Erfassung von Körper und Bewegung erprobt. Die bisherigen Tests mit Motion Capture, Photogrammetrie und videobasierten Aufnahmen machen sowohl das künstlerische Potenzial als auch die Grenzen dieser Technologien sichtbar. Besonders relevant ist dabei die Frage, welche Eigenschaften einer Bewegung erhalten bleiben, wenn sie aus ihrem zeitlichen, körperlichen und kulturellen Zusammenhang herausgelöst wird. Die nächste Recherchephase konzentriert sich auf weitere Gespräche, präzisere Aufnahmesituationen und erste kontrollierte Übersetzungsexperimente. Die daraus entstehenden Beobachtungen werden fortlaufend im SIGNATURES Journal veröffentlicht.
